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Auf mystischen Pfaden durch Mexiko

In Mexiko liegt der Ursprung einer weisen, transzendentalen Kultur. Auf den Spuren dieser alten indigenen Spiritualität erlebten wir Kraftplätze, uralte Energien und heilige Tempelanlagen. Mit großem Respekt wurden wir an Rituale, Musik und Spiritualität herangeführt, die das Wesen der mexikanischen Kultur kennzeichnen. 4138 Kilometer legten wir auf unseren mystischen Pfaden durch Mexiko zurück und 3998 Höhenmeter Differenzen. Wir erlebten eine 28 Millionen Einwohner Stadt, höchste Wellen am Pazifik, den schönsten Strand der Erde, den tiefsten unberührten Dschungel, Vulkane, magische Ruinen, Pyramiden und vieles mehr. Ein unvergessliches Reiseerlebnis, welches unseren Geist und unsere Seele tief berührt hat.

Nun zurück zum Anfang unserer Reise.
Am 17. Juni starteten 12 von uns vom Flughafen Graz in Richtung Frankfurt, wo wir dann auf die 13. im Bunde trafen. Von dort aus flogen wir dann gemeinsam nach Mexico City. Während des Fluges konnten Fußballinteressierte das WM Spiel Mexiko – Deutschland verfolgen. Mit einem Zeitunterschied von sieben Stunden kamen wir am selben Tag an. Unser Hotel befand sich in Zentrumsnähe der 28 Millionen-Einwohner-Stadt und doch in einem ruhigen Viertel. Zu Fuß gelangten wir zu der nächstgelegenen U-Bahn Station, mit der wir dann direkt in die Innenstadt fuhren. Nach einer ersten Erkundungstour entschlossen wir uns dazu unseren Hunger in einem typischen mexikanischen Restaurant zu stillen. Anschließend erhielten wir eine der berühmt berüchtigten „Märchenstunden“ von Herbert. Die erste Nacht konnte wohl keiner von uns durchschlafen, da wir alle vom Jetlag geplagt waren.
Am nächsten Morgen ging es auch schon voll los mit unserem Ausflugsprogramm. Nach dem Frühstück und einer traditionellen Tequilarunde fuhren wir mit dem Bus in die Stadt Amecameca am Fuß des Vulkanes Popocatépetl (5462m). Wir organisierten uns einen privaten Taxibus samt lokalem Fahrer, der uns über den Paso de Cortés zum höchst möglichst befahrenen Punkt des Berges bringen sollte. Diese Fahrt war der Anfang einer Reihe von legendären Fahrten in Mexiko und wird uns wohl alle im Gedächtnis geblieben sein aus verschiedenen Gründen. Vor allem, da wir es leider nicht mit dem Taxibus geschafft haben, unser Ziel zu erreichen. Abenteuer wurde uns zu Beginn dieser Reise versprochen und Abenteuer erhielten wir! Einige von uns hatten zuvor über den Zustand des Fahrzeuges gescherzt und gemeint, dass wir sehen werden, wie weit wir mit diesem Gefährt kommen werden. Nun wir haben es bis zwei Kilometer vor unserem Ziel geschafft. Die verbliebene Strecke legten wir in Rekordzeit per Fußmarsch zurück. Die größte Schwierigkeit war dabei die Höhe (3700m). Als wir ankamen mussten wir leider feststellen, dass durch den Regen und dem Nebel keine Sicht auf den Gipfel des Popocatépetl möglich war. Wir beschlossen uns einen geeigneten Platz für eine Meditation zu suchen und mit dem Erdenhüterwesen in Kontakt zu treten. Während unserer Meditation konnten wir wahrnehmen, dass die Sonne für einen kurzen Augenblick zu uns durchbrach. In der Zwischenzeit hat unser Fahrer Verstärkung angefordert und wir wurden mehr oder weniger heil wieder nach Amecameca transportiert. Von dort aus nahmen wir wieder den Bus nach Mexiko-Stadt zurück.
Am Dienstag, 19. Juni, ging es für uns mit dem Bus nach Teotihuacán – die Stadt der Götter. Teotihuacán ist eine der ältesten und größten Ruinenstädte der Welt. Auf den Höhepunkt ihrer Entwicklung dürfte die Stadt um die 200.000 Einwohner gehabt haben. Die Kultur war sehr fortgeschritten, sie hatte sogar schon eine Kanalanlage. Bevor wir uns der Besichtigung widmeten, schossen wir einige Gruppenfotos im Kakteengarten. Zuerst besichtigten wir den Tempel Quetzalcóatl, der „Gefiederten Schlange“. Vor der Tempelanlage befand sich eine archäologische Ausgrabungsstätte, die leider verdeckt war. Danach bestiegen wir die 65m hohe Sonnenpyramide. Die Stufen der Pyramide waren ungewohnt hoch und der Aufstieg war ohne Zweifel sehr anstrengend. Wir meditierten gemeinsam an der Spitze. Anschließend gingen wir entlang der „Straße der Toten“ zu der Mondpyramide. Die Mondpyramide ist zwar „nur“ 46m hoch, jedoch waren die Stufen ebenso ungewohnt hoch wie schon bei der Sonnenpyramide. Zu guter Letzt besichtigten wir den Quetzalpapalotl-Palast. Am Ende des Tages mussten wir feststellen, dass trotz des bewölkten Wetters ziemlich jeder etwas (rote) Farbe erhalten hatte.

Am Morgen des 20. Juni flogen wir von Mexico City nach Puerto Escandido, eine kleine Fischerstadt am Pazifik.
Die Stadt wurde in den späten 1950er Jahren von Surfern entdeckt. Puerto Escondido ist
berühmt für die sogenannte Mex Pipe, die zusammen mit einer ähnlichen Welle bei Hawaii zu den
größten Wellen dieser Art in der Welt zählt. Der weitere Tagesverlauf, sowie der nächste Tag wurden
uns zur freien Verfügung gestellt. Einige verbrachten ihre Zeit in der Stadt und andere am
wunderschönen Strand. Die Wellen waren in der Tat sehr hoch und die Gezeiten, vor allem die Ebbe,
erschreckend stark. Bevor es am Abend des 21. Juni mit dem Nachtbus nach Oaxaca ging, hielten wir ein
kleines Abschiedsritual samt gemeinsamen Essen am Strand in Puerto Escandido ab. Herberts
„Märchenstunden" wurden zum fixen Bestandteil unserer Reise.
In Oaxaca sind wir am Vormittag des 22. Juni angekommen. Zuvor hatten wir schon einige „wilde“
Geschichten von Herbert über seine Zeit in Mexiko, insbesondere Oaxaca gehört und waren gespannt
auf die Fortsetzung. Nach der Beziehung unseres Hotels trafen wir uns zum gemeinsamen Frühstück im
Hotelrestaurant. Weitere Eindrücke in die Stadt erhielten wir auf dem Weg zum Abfahrtspunkt für die
spektakuläre archäologische Ausgrabungsstätte Monte Alb
án.
Monte Albán liegt 2000m über dem
Meeresspiegel auf einer künstlich abgeflachten Bergkuppe und war das religiöse Zentrum der
Zapoteken, später der Mixteken. Wir meditierten in unmittelbarer Nähe zu einem Kraftplatz. Am Abend
arrangierte Herbert für uns ein familiäres Treffen mit einer mexikanischen Familie, die Herbert schon bei
seinem ersten Mexiko Besuch im Jahre 1991 ins Herz schloss. Die Gastfreundlichkeit der Familie uns
Fremden gegenüber war unbeschreiblich herzlich. Gemeinsam genossen wir den einen oder anderen
Schluck Tequila beziehungsweise Mezcal. Am nächsten Tag stand der Árbol del Tule, deutsch Baum von
Tule, auf dem Programm. Der Baum ist
ein etwa 1400–1600 Jahre altes Exemplar der Mexikanischen Sumpfzypresse. Mit einem Stammdurchmesser von 14,05 Metern ist er der dickste Baum der Welt. Nach
den offiziellen Angaben hat der „Baum von Tule“ bei einer Höhe von 41,85m ein Gewicht von 636,107 Tonnen. In Bodennähe beträgt sein Umfang 46 Meter.
Die verbliebenen Stunden sowie den nächsten
Tag verbrachten wir individuell in Oaxaca. Einige besuchten das Museum, andere den Markt und
wiederum andere verkosteten Spezialitäten wie Chapulines (gekochte Heuschrecken). Am Abend des 24.
Juni fuhren wir mit dem Nachtbus nach Palenque.
In Palenque angekommen erwartete uns ein volles „Touri-Programm“. Nach kurzem Frischmachen ging es auch schon weiter zu den Maya Ruinen in Palenque. Dort angekommen erlebten wir erstmals richtiges Tropenklima. Palenque ist eine von Tieflanddschungel umgebene archäologische Fundstätte. Bisher wurden erst circa 5 Prozent der Bauten freigelegt. Der Rest ist noch vom Dschungel überwachsen. Das in der Nähe der Grabungsstätte wohnende Volk der Lacandonen wird als direkter Nachkomme der ehemaligen Bewohner des alten Palenque betrachtet. Wir meditierten und musizierten an verschiedenen für uns bedeutenden Stellen. Danach sehnten wir uns alle schon nach einer Abkühlung und wir fuhren zu den 6km langen kaskadenförmigen Urwaldwasserfällen „Cataratas de Agua Azul“. Insgesamt bestehen die Wasserfälle aus über 500 einzelnen Kaskaden, die eine Höhe von zwei bis 30 Metern erreichen. Zwischen den breiten, meist niedrigen Kaskaden existieren auch Bademöglichkeiten.
Wir waren überwältigt von diesem wunderschönen Naturspektakel. Einige von uns nutzten die einmalige Initiative und genossen eine herrliche Erfrischung in einem der Kaskadenbecken.
Am Morgen des 26. Juni fuhren wir mit einem Colectivo-Bus in den Dschungel zur Ecolodge Topche in Lacanja Chansayab – ein wahres Paradies für Naturliebhaber. Diese Unterkunft wird von den Lacadonen geführt, Mexikos einziger indigener Volksstamm, welcher nicht von den Spaniern wirtschaftlich und religiös unterdrückt wurde. Nichtsdestotrotz verfügen sie über WLAN und sind sehr bemüht jeden Sonderwunsch in der Küche umzusetzen. In unserer Zeit hier stand für uns Erholung und Entspannen an erster Stelle. Deswegen war unser Programm eher flach gehalten. Am darauffolgenden Tag machten wir eine Bootsfahrt am Río Usumacinta der Grenzfluss zwischen Mexiko und Guatelmala, der zugleich der wasserreichste Fluss Mittelamerikas ist. Wir legten direkt an der sagenumwobenen, historischen Maya- Stadt Yaxchilán an und konnten diese besichtigen. Die Stimmung dort war einzigartig – man fühlte sich in einer komplett anderen Zeit. Nach unserer Meditation an verschiedenen Kraftplätzen fuhren wir wieder zurück ins Camp. Am Donnerstag erhielten wir die Möglichkeit an einem freiwilligen Pflichtprogramm (die Kombination freiwillig und Pflicht sorgte für heitere Diskussionen) teilzunehmen. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir marschierten den abenteuerlichen zwei-Stunden-Weg quer durch den Dschungel zur Maya Ruine in Lacanja. An dieser Stelle gelten Jan und Herbert großen Dank, da sie uns
sicher hin und wieder zurück brachten. Außerdem haben wir es ihnen zu verdanken, dass wir von lebendigen Schlangen und sonstigen unerbetenen Wegbegleiter verschont blieben. Wieso die explizite Nennung von lebendigen Schlangen? Nachdem wir uns auf unserem Rückweg an einer geeigneten Badestelle des Ríos Gordo abkühlten (und nebenbei wieder von einigen Wasserfällen umgeben waren), trafen wir auf eine bereits tote, hochgiftige Korallenschlange. Mit großer Ehrfurcht, aber auch Neugier, näherten wir uns dem „übriggebliebenen“ Hinterteil der Otter. Wir alle realisierten, dass ein größeres, womöglich gefährlicheres Tier die Schlange erlegt haben muss – ein natürlicher Fressfeind. Einige Mutige wagten sich die Schlange zu berühren. Herbert hatte die Idee, die Schlange zu enthäuten und die schimmernde Haut für Schmuckstücke und ähnliches zu verwenden. Somit würde das hinterbliebene Stück noch einen besonderen Nutzen dienen. Behutsam und exakt wurde die Haut von Herbert entfernt. Er erklärte uns, als würde er unsere Gedanken lesen können, dass sein Vater ihm in die Kunst des Schlangenenthäutens am elterlichen Bauernhof eingeführt hatte. Da es manchmal vorkam, dass bei
Mäharbeiten eine Schlange verletzt und getötet wurde. Später wurde die Schlangenhaut mit Salz konserviert und auf einem Holzstück gespannt. Weitere Informationen zur Schlangenhaut erhält ihr direkt von Herbert. Am Abend wurde seine begehrte „Märchenstunde“ fortgesetzt.
Am 29. Juni hatten wir die Ehre an einer traditionellen Zeremonie teilzunehmen. Keiner von uns wusste so wirklich was uns erwarten würde, jedoch waren wir alle sehr offen und neugierig. Die einzige Information, die wir hatten war, dass wir Badebekleidung mitnehmen sollten, da auf uns ein Blütenbad
wartete. Bevor es zur eigentlichen Zeremonie ging, erhielten wir eine Reinigung. Der Schamane begrüßte die Götter aller vier Himmelsrichtungen und reinigte unsere Aura mithilfe eines Palmenblattes, Rauch und einer Kräuterblütenmischung. Die Heilkraft des Schamanen bezieht sich vor allem aus dem 
hiesigen Maisgott (Cinteotl). Nach dem Reinigungsritual ging es für uns in eine selbstgebaute Steinhöhle, in der das Blütenbad stattfand. Zuvor bekam jeder von uns ein Palo Santo Holzstückchen, das uns bei der Meditation unterstützen sollte. Die Steinhöhle wurde verschlossen und fungierte als eine Art Sauna. Die Kräuterblütentinktur wurde über zuvor erhitzte Steine gegossen und erzeugte Dampf. In dieser Phase wurden wir dazu aufgefordert zu meditieren und erhielten konkrete Anweisungen von dem Schamanen. Selbst das Austreten aus der Höhle wurde von Anweisungen des Schamanen begleitet. Anschließend wurden wir zu einer Laube gebracht, wo wir traditionellen Tee tranken, als Teil der Zeremonie. Daraufhin wurde jeder von uns in einem angrenzten Bereich massiert bei Vollmond.
Am 30. Juni fuhren wir mit dem Nachtbus über Palenque nach Playa del Carmen. Playa del Carmen liegt an der mexikanischen Karibikküste, der sogenannten Riviera Maya, 70 km südlich von Cancún. Am 1. Juli
fanden in Mexiko landesweite Wahlen statt. Wie wir erfahren haben, darf zu diesem Anlass kein Alkohol ausgeschenkt werden den ganzen Tag - es gibt nur wenige Ausnahmen. Jeder konnte für sich selbst entscheiden, wie er seine Zeit hier verbringen wollte. Einzig geplanter Programmpunkt war der Ausflug nach Tulum am Montag, 2. Juli. Tulum gehört zu denjenigen Maya-Fundstätten, die direkt am Meer liegen. Vermutlich war Tulum wegen seiner günstigen Lage ein wichtiger Handels-Knotenpunkt der Maya und verfügte über ein entwickeltes Verteidigungssystem. In Tulum angekommen hatte es gefühlte 45 Grad im Schatten und der große Touristenandrang war nicht unbedingt fördernd. Sobald wir unsere Tour dort beendet hatten, beschlossen wir einstimmig den Ecopark Kantun Chi aufzusuchen und uns in den Cenoten („Heilige Quellen“) abzukühlen. Ein Cenote ist ein dolinenartiges Kalksteinloch, das durch den Einsturz einer Höhlendecke entstand und mit Süßwasser gefüllt ist. Viele Cenotes in Mexiko stehen mit dem vermutlich größten zusammenhängenden Unterwasserhöhlensystem der Erde in Verbindung, welches laut Forscher der Grund für die Entwicklung der Maya-Zivilisation war. Im Nachhinein war es eine unbeschreiblich schöne Erfahrung, die keiner von uns missen möchte. Am nächsten Tag organisierten einige sich einen Tagesausflug zur Insel Cozumel samt Delfinshow. Andere verbrachten den Tag am Strand und profitierten von dem Wassersportangebot. Am Abend zelebrierten wir unseren Abschluss der Reise und feierten Jans Geburtstag vor. Am Mittwoch, 4. Juli, ging es für uns zum
 
Flughafen in Cancún. Von dort aus flogen wir nach Mexico City und anschließend wieder über Frankfurt nach Graz, wo wir am 5. Juli landeten.
Abschließend möchte ich im Namen aller Teilnehmer Cornelia und Herbert für die ausgezeichnete Organisation danken und den reibungslosen Verlauf. Wir haben so viele einzigartige Momente zusammen erlebt und ebenso viele unvergessliche Erinnerungen geschaffen. Für all diejenigen, die es leider nicht mit auf unsere mystische Reise geschafft haben, Mexiko ist immer eine gute Idee!

Carmen Suppan